Teilen Sie diese Seite auf

Als Hausboot-Neulinge auf dem Canal de Bourgogne: Sieben Tage Erholung pur!

Verpassen Sie keine Nicols-News: abonnieren Sie den Newsletter !
Alle Blog-Artikel ansehen

Eins mal vorweg: Wir sind keine Freunde vom typischen Camping, Zelt und Isomatte sind uns ein Gräuel. Dabei mögen wir die Idee, ortsunabhängig zu sein, durchaus. Allerdings ist uns Komfort im Urlaub schon wichtig – ein erholsamer Schlaf und eine heiße Dusche sollten schon drin sein. Daher gefiel uns die Idee, mit einem „schwimmenden Haus“ über den Canal de Bourgogne zu schippern, von Anfang an sehr gut: kein Zeitdruck, kein Stress, dafür viel Zeit für die Familie und endlich mal Entspannung pur.

Mädchen, das ein Seil auf einem Hausboot hält

Warum aber der Canal de Bourgogne? Nun, wir hatten ohnehin nur eine Woche Urlaub und wollten so viel Zeit wie möglich auf dem Boot verbringen. Wir leben in der Nähe von Colmar, und Nicols hat auch Abfahrtshäfen im Elsass, aber das war uns dann doch zu nah – schließlich kennen wir die Landschaft hier nach all den Jahren sehr gut. Vier Stunden Anfahrtszeit fanden wir akzeptabel, also: auf nach Brienon!

Wir, das sind zwei befreundete Familien mit jeweils zwei Kindern, sowie die jüngste Schwester meiner Frau. Niemand aus der Gruppe war jemals mit einem Hausboot unterwegs gewesen, alle komplette Neulinge also. Gebucht hatten wir das größte Boot aus der Serie Estivale, die Version OCTO – 3,8 m breit, 13,5 m lang, mit vier Kabinen und zwei Bädern. Es ist absolut groß genug für 5 Erwachsene und vier Kinder, mehr Platz braucht man wirklich nicht.

Der Empfang auf der Basis war herzlich, obwohl wir mit fast 3 Stunden Verspätung eintrafen. Manu, der Capitaine des Hafens, zeigte uns das Schiff und erläuterte uns die Funktionen. Für eine Einweisung samt Probefahrt war es allerdings schon zu spät. Der erste Eindruck vom Schiff war sehr gut: die gesamte Einrichtung in nahezu perfektem Zustand, alles sehr sauber und ordentlich.

Am Tag drauf ging es dann endlich los! Bei der einstündigen Einweisungsfahrt zeigte uns Manu die verschiedenen Manöver und machte uns mit der Steuerung des Bootes vertraut. Die anfänglichen Bedenken, ob wir so ein großes Boot sicher fahren könnten, waren schnell verflogen – passieren kann bei 8 km/h ohnehin nicht viel, und falls man mal in einer Schleuse oder unter einer Brücke Mauerkontakt hat, fangen dies die rund um das Schiff aufgehängten Gummi-Bojen perfekt ab. Nach ein paar Stunden hatte sich bereits eine gewisse Routine eingestellt, so dass selbst das „rückwärts einparken“ am ersten Abend in St. Florentin fast auf Anhieb gelang. Einmal angekommen, stellten wir fest, dass wir das Stromkabel für den 220 V-Anschluss im Hafen von Brienon vergessen hatten. Das hatte allerdings auch Manu bemerkt, und stand am nächsten Morgen damit vor unserem Boot. Super Service!

Schleusen und die liebe Technik: Die kleinen Herausforderungen in unserem Hausboot-Alltag

Haus am Canal de Bourgogne

Dafür, dass die Fahrt nicht zu eintönig wird, sorgen die im Kanal reichlich vorhandenen Schleusen. Unsere erste Schleuse kam bereits nach 15 Minuten Fahrt in Sicht. Die Einfahrtstore waren allerdings geschlossen – was also tun? Ich hupte zwei Mal, sehr zum Ärger des Schleusenwärters, der sich offenbar in seiner Berufsehre angegriffen fühlte. Erst als wir ihm sagten, dass dies unsere erste Fahrt und auch unsere erste Schleuse sei, beruhigte er sich wieder und erläuterte uns die Abläufe am Kanal.

Jedes Schiff wird quasi von Schleuse zu Schleuse weitergereicht, so dass die Schleusenwärter im Voraus wissen, wann welches Boot zu ihrer Schleuse kommt. Die Schleusen sind von 9-12 und von 13-19 Uhr geöffnet. Diese Zeiten werden penibel eingehalten – wer vorher oder nachher kommt, wird nicht mehr bedient. Morgens wird man an der ersten Schleuse nach dem Tagesziel gefragt, danach wissen dann alle Wärter bis zum Ziel Bescheid. Es ist  uns nur ein einziges Mal passiert, dass wir länger an einer Schleuse warten mussten, sonst waren die Wärter immer bereits vor Ort. Daher ist es absolut unnötig, vor einer Schleuse zu hupen!

Das Manöver selbst ist einfach: Man fährt möglichst gerade in die Schleusenkammer ein und macht das Boot an einem Poller fest. Während des gesamten Vorgangs muss jemand das Seil straff halten, damit das Boot stabil liegt. Festmachen ist verboten, weil sich das Schiff dann am Seil buchstäblich aufhängen könnte – diese Gefahr droht allerdings nur bei Fahrten stromabwärts. Sobald das Niveau erreicht ist, öffnen sich die Tore und man kann die Schleuse verlassen. Eine Schleusung dauert rund 20-25 Minuten, und nach zwei, drei Schleusen wird der Vorgang zur Routine.

Mann vor einem Hausboot, das eine Verriegelung betritt

An jeder Schleuse steht übrigens ein kleines Häuschen. Das wird heute nicht mehr unbedingt vom Schleusenwärter bewohnt, aber die meisten von ihnen sind tadellos in Schuss und wirklich hübsch anzusehen. Oft kann man dort auch regionale Spezialitäten wie Weine oder Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten kaufen.

Obwohl man überall am Ufer festmachen darf, haben wir versucht, die Nächte in den „Ports de plaisance“, den Yachthäfen, zu verbringen. Nur ein einziges Mal – in Tonnerre – kamen wir zu spät an die letzte Schleuse vor dem Hafen und mussten davor festmachen, um dort die Nacht zu verbringen. Als wir am nächsten Morgen losfahren wollten, ertönte bereits in der Schleuse der Batterie-Alarm. Ein Anruf bei Nicols genügte, und schon nach einer halben Stunde war das Serviceteam – bestehend aus Guillaume und Stéphane – vor Ort. Wie sich bald herausstellte, war ein Kabel der Lichtmaschine gebrochen, so dass die Batterie während der Fahrt nicht geladen wurde. Der Schaden war nach wenigen Minuten behoben, und die Fahrt konnte weitergehen.

Das Leben an Bord: Steuern, einkaufen, kochen, angeln und die Ruhe genießen

Für den Hausbooturlaub gilt: Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Im Gegensatz zum Reisen mit dem Wohnmobil fragt man sich nie, wohin man am nächsten Tag fahren könnte – die Route ist vorgegeben, und eine gewisse Strecke muss jeden Tag gefahren werden, damit man am Ende der Reise auch rechtzeitig am Zielhafen ankommt.

Das „Verkehrsaufkommen“ auf dem Kanal  – wenn man es denn so nennen möchte – hält sich übrigens sehr in Grenzen. Mitte August ist immerhin Hochsaison, und uns sind täglich nicht mehr als 5 bis 10 Boote begegnet, meist ebenfalls solche von Nicols. Zwei Mal kamen uns umgebaute, ehemalige Lastkähne entgegen, dann wurde es schon mal etwas eng. Aber da alle sehr langsam fahren, ließen sich auch diese Situationen problemlos meistern.

Hausboot hielt am Rande des Kanals von BurgundAuf Anraten von Manu hatten wir 4 Fahrräder (mehr passen nicht aufs Schiff drauf) mitgenommen. Ein guter Rat, wie sich bald herausstellte: Die Häfen liegen nicht immer direkt in der Innenstadt, so dass man schon mal 2 oder 3 Kilometer überwinden muss, um ein Einkaufszentrum zu erreichen. Mit dem Fahrrad ist das kein Problem.

Wir hatten etwas zu viel Proviant mitgenommen. Pro Kopf ca. 15 Liter Wasser oder Apfelschorle,  Milch für die Kinder, Kaffee, Tee, ein paar Nudeln und Tomatensoße für den Notfall, Wurst und Schinken geräuchert oder in Dosen, Gewürze, Reis, Kartoffeln – das reicht vollkommen. Gerade die schweren Dinge wie Getränke sollte man aber in ausreichender Menge mitnehmen, denn später muss man entweder alles schleppen oder aber für den Rückweg vom Supermarkt ein Taxi nehmen. Was man auch in größerer Menge gebrauchen kann, sind Aufbackbrötchen: Sie lassen sich im Ofen prima fertigbacken und machen einen von den Bäckereien unabhängig. So muss niemand mit leerem Magen auf die Suche nach dem nächsten Bäcker gehen, was für die Stimmung an Bord sehr zuträglich ist! Ansonsten kann man alles Notwendige unterwegs einkaufen. Unsere Bordküche funktionierte absolut einwandfrei und wir konnten problemlos für 9 Personen kochen. Der Kühlschrank war groß und hatte sogar ein Gefrierfach.

Um auf dem Kanal angeln zu dürfen, braucht man eine Angel-Karte. Die bekommt man in vielen Kiosken, und unsere Urlauber-Wochenkarte hat 32 € gekostet. Da wir auch absolute Angel-Novizen sind, haben wir kaum etwas gefangen: ein paar kleine Welse, die wir umgehend in den Kanal zurückgesetzt haben, sonst nichts. Aber Spaß gemacht hat es dennoch!

Wenn einer steuert und ein zweiter die Schleusen mit bedient, haben die anderen viel Zeit: um den eigenen Gedanken nachzuhängen, mit den Kindern zu spielen, Fotos zu machen, die Landschaft anzuschauen, usw. Das ist der große Vorteil des Hausboot-Urlaubs – und so waren wir nach nur einer Woche so erholt wie sonst nach drei Wochen nicht. Es bleibt einem auch nichts anderes übrig, als sich auszuruhen – Hausbootfahren ist wie Entspannung auf Knopfdruck.

Eingang eines Schlosses am Rand des Burgunder KanalsDie Landschaft und ihre Bewohner: Städtchen und Dörfer am Canal de Bourgogne

Eines möchte ich vorweg sagen: Unser Boot war sehr komfortabel und gefiel uns so gut, dass wir es kaum verlassen haben. Die Strecke führte von der Basis in Brienon über St. Florentin (2. Nacht), Tonnerre (3. Nacht), Lézinnes (4. Nacht), Ancy-le-Franc (5. Nacht) und Montbard (6. Nacht) bis nach Venarey-les-Laumes (7. Nacht). Dort mussten wir das Boot dann am Morgen des 7. Tages wieder abgeben. Insgesamt haben in einer Woche 115 km auf dem Kanal zurückgelegt.

Die Menschen, die wir in den kleinen Yachthäfen getroffen haben, waren allesamt sehr freundlich und hilfsbereit. Offenbar ist es unter Bootsfahrern üblich, dem neuen Nachbar beim Anlegen zu helfen – das war in einigen Fällen wirklich sehr hilfreich.

Wirklich besucht haben wir nur Ancy-le-Franc und Montbard. Hier waren wir oben auf dem Hügel im Parc de Buffon (benannt nach einem berühmten Industriellen der Region) und sind durch die Straßen des Städtchens gewandert. Alles ganz beschaulich! Vom Boot aus sieht man fast nie Industriegebiete und Einkaufszentren, sondern meist nur die Altstädte. Die Landschaft am Kanal wechselt zwischen Wäldern, Äckern und Wiesen. Nichts Außergewöhnliches, aber alles sehr schön und gepflegt.

Ankunft in Venarey und Rückfahrt

Als wir am Nachmittag des 6. Tages in Venarey ankamen, wurden wir schon von Guillaume erwartet. Er brachte mich und Oliver – den anderen Familienvater – zum Bahnhof, damit wir die Autos aus Brienon holen konnten. Der Zug vom Bahnhof „Les Laumes Alésia“ (Venaray suchen Sie im frz. Eisenbahnnetz vergebens) brachte uns in einer Stunde zurück nach Migennes. Von dort nahmen wir uns ein Taxi zurück zur Abfahrtsbasis. Zug und Taxi kosteten für uns beide zusammen rund 50 € – deutlich günstiger als die Rückführung durch Nicols, die mit über 200 € zu Buche geschlagen hätte. Manu von der Abfahtsbasis in Brienon hatte mir diesen Rückweg gleich zu Beginn wärmstens empfohlen, und es funktionierte einwandfrei. Die Rückfahrt mit dem Auto nach Venarey dauerte dann knapp 90 Minuten – für dieselbe Strecke, die wir auf dem Boot 7 Tage gebraucht hatten… ein seltsames Gefühl.

Benutzer von Nicols schifft am Rand des Burgunder Kanals

Abschluss und Fazit

Als wir ins Auto stiegen, seufzte meine Frau und sagte, dies sei der beste Urlaub gewesen, den wir je gemacht hätten. Nirgends sonst bekäme man eine derartige „Express-Erholung“ in einer Woche geboten. Recht hat sie!

Ein großes Lob geht an die Mitarbeiter von Nicols: Manu, Guillaume und Stéphane. Alle waren überaus freundlich und hilfsbereit: Als wir z. B. einmal länger vor einer Schleuse warten mussten, rief ich Manu an, der daraufhin den Schleusenwärter kontaktierte. Und auch unsere kleine „Panne“ mit der Lichtmaschine wurde schnell und kompetent behoben.

Unser Fazit: ein toller Urlaub, aber leider zu kurz. Wir kommen wieder!

Planen Sie jetzt

Die andere Nicols Blog-Artikel


Alle Blog-Artikel ansehen


Wir verwenden Cookies, um Ihnen einen bestmöglichen Service zu bieten. Wenn Sie auf hausboot-nicols.de surfen, akzeptieren Sie diese Cookies. Mehr Info